Großübung in Blaibach

Großübung in Blaibach

Wie schon in letzten Jahr, so wurde auch heuer vom Kreisfeuerwehrverband Cham eine Herbstschulung für die Feuerwehren des Landkreises angeboten, welche am 2. Oktober 2004 in Blaibach durchgeführt wurde.

Ausrichter war wiederum die Feuerwehr-Inspektion Kötzting in enger Zusammenarbeit mit dem BRK-Rettungsdienst im Landkreis Cham.

Die Theorie:

Bereits um 8 Uhr morgens konnte Kreisbrandrat Johann Weber zahlreiche Ehrengäste, darunter die Kreisbrandräte aus den Landkreisen Schwandorf und Straubing-Bogen, Vertreter der Regierung, des Landratsamtes Cham, der Polizei und des BRK, sowie die Referenten begrüßen.

Leider hat die Zahl der Besucher der Feuerwehren des Landkreises die Erwartungen nicht ganz erfüllt, da nur ca. 250 Personen die weiteren Ausführungen verfolgten.

Nach einem kurzen Grußwort des Bürgermeisters dem Gemeinde Blaibach, Herrn Ludwig Baumgartner, begann der erste Vortrag von Löschmeister Ulrich Licht (FF Neu-Ulm) welcher als Mitarbeiter der Firma Evo-Bus, einem Bushersteller aus Stuttgart, prädestiniert ist für das Thema "Aufbaukonstruktion eines Omnibusses".

Aufgrund der Tatsache, dass 67 % der bei Busunfällen getöteten Personen bei einem Überschlag ums Leben kamen, hat der Gesetzgeber in der Richtlinie ECE-R66 eine definierte Überschlagfestigkeit und seit 1999 die Gurtpflicht in Bussen eingeführt, wodurch die passive Sicherheit deutlich erhöht werden konnte.
Herr Licht wies auf die verschiedenen Gefahren hin, welche heutzutage in den Fahrzeugen zu finden sind, neben 600 bis 800 Liter Dieselkraftstoff befinden sich gegebenenfalls ein weiterer Heizöltank, 35 Liter Schwefelsäure in den Batterien, Monitore, Mikrowellengeräte, Boiler, bis hin zu Geschirrspülmaschinen, Kohlensäureflaschen, oder 220 Volt-Generatoren im Fahrzeug. Weiterhin wies er auf die vorhandenen Sicherheitseinrichtungen hin, wie z.B. Nothämmer, Feuerlöscher, Sanitätskästen und Nothebel für die Bedienung der Türen bei Ausfall der pneumatischen Öffnungsmechanismen.

Intensiv wurden die verschiedenen Zugangsmöglichkeiten für die Feuerwehr besprochen, welche neben den Fahrgasttüren auch über die Dachluken oder Fenster einsteigen kann. Abschließend ging er noch auf den Aufbau der Busse ein, welcher heutzutage in Form einer ausgesteiften Rahmen-Konstruktion ausgeführt wird. Dies hat zur Folge, dass bei Abstützungs- oder Bergemaßnahmen dies nur an bestimmten Stellen ( z.B. im Achsbereich) gefahrlos möglich ist.

Hauptlöschmeister Ludwig Fuchs von der Berufsfeuerwehr Augsburg erläuterte in seinem informativen Vortrag die besonderen Einsatztechniken und die -taktik bei Busunfällen. Er verwies auf die Wichtigkeit der Raumaufteilung bei Großschadensereignissen, um den zahlreichen Hilfskräften eine geordnete Arbeit zu ermöglichen.
Aus diesem Grund sollte in einem Umkreis von ca. 5 Metern um den Schadensort der sogenannte Arbeitsbereich festgelegt werden, welcher nur für die zu erledigenden Arbeiten von den Hilfskräften betreten wird. Dahinter erstreckt sich über 10 bis 20 Meter die Bereitstellungszone. Desweiteren sind die Plätze zur Verletztenablage, Hubschrauberlandeplätze, für die Geräteablage usw. festzulegen.
Als unabdingbar sah Fuchs auch die intensive Absprache mit den Einsatzleitern der weiteren Hilfsorganisationen, wie z.B. Rettungsdienst und Polizei, mit denen sinnvoller Weise bereits im Vorfeld entsprechende Konzepte für derartige Einsätze zu erstellen wären.

Als letzter Referent am Vormittag gab der BRK-Rettungsdienstleiter Michael Daiminger Einblicke in die Problematiken und den Arbeitsablauf im Rettungsdienst bei derartigen Unfällen.
So sei die Bewältigung eines Schadensereignis mit mehr 10 Verletzten für das BRK schon sehr schwierig, da hierfür bereits alle landkreiseigenen Ressourcen aufgebraucht sind und man externe Kräfte anfordern muss.
Am Unfallort selbst wird nach den elementaren Sofortmaßnahmen an Ort und Stelle die geordnete Patientenrettung durchgeführt, wonach die Aufteilung der Verletzten auf die vier eingerichteten Behandlungs- und Versorgungsräume erfolgt. Von hier aus wird der Abtransport in die verschiedenen Krankenhäuser durchgeführt.
Daiminger bat dabei die Feuerwehren auch um personelle Unterstützung in Form von Trägern, da die Hilfskräfte des Rettungsdienstes dafür kein weiteres Personal abstellen können.
Da es bei einer großen Zahl von Verletzten elementar wichtig ist die Personalien aller Verunglückten festzustellen, sind auch alle Leicht- und Unverletzte zur sogenannten Sichtungsstelle zu bringen.

Nach dem Kreisbrandrat Weber den drei Referenten für ihre Fachvorträge gedankt hatte, konnten die Teilnehmer ihre Mittagspause genießen, bevor sich alle auf der Umgehungsstraße von Blaibach, auf Höhe eines Lebensmittelmarktes zur praktischen Einsatzübung trafen.

Die Praxis:

Angenommen wurde die Schleuderfahrt eines Omnibusses, welcher anschließend umstürzt und mit der rechten Breitseite quer über die Fahrbahn zu liegen kommt. Die Fa. Schmid aus Bärndorf hatte dafür einen ausrangierten und bereits "trockengelegten" Omnibus zur Verfügung gestellt.

Kreisbrandrat Johann Weber und der Rettungsdienstleiter aus Kötzting, Walter Menacher, kommentierten für die zahlreichen Zuschauer den Übungsablauf über eine Lautsprecheranlage.

Pünktlich um 13 Uhr erfolgte die Alarmierung der Feuerwehren und des BRK-Rettungsdienstes. Die Ortsfeuerwehr aus Blaibach traf natürlich als erste am Einsatzort ein. Nach einer kurzen Erkundung durch den Gruppenführer und stv. Kommandanten Stefan Zollner ließ dieser die Absicherung der Einsatzstelle und die Errichtung des Brandschutzes durch den Aufbau von zwei C- und einem Schaumrohr durchführen.

Zusätzlich wurden leichtverletzte und herumirrende Businsassen versorgt und die nachfolgenden Fahrzeuge eingewiesen.

Während die inzwischen eingetroffenen, ersten Kräfte des BRK sich ein Bild der Lage innerhalb des Busses machten und mit der Erstversorgung der Verletzten begannen, wurden von den nachfolgenden Wehren mehrere hydraulische Rettungssätze und Hilfsmaterial zur Befreiung eingeklemmter Personen in die Bereitstellungsräume vorgenommen.

In Absprache mit dem Rettungsdienst veranlasste der Abschnittsleiter für die Personenbefreiung, Kommandant Alexander Beier (FF Miltach), die Öffnung des Busses über die beiden Frontscheiben.

Alle Feuerwehrkameraden, welche nicht mehr für andere Arbeiten benötigt wurden, meldeten sich bei Christian Ellmann (Kommandant der FF Chamerau), welcher als weiterer Abschnittsleiter für die Unterstützung des Rettungsdienstes zuständig war und die Kräfte als Träger für den Verletztentransport zuwies.

Nach der Befreiung der nicht eingeklemmten Personen aus dem Bus musste mittels zweier Schneidgeräte einige Sitzbänke abgetrennt werden um an die dort verkeilten Personen zu gelangen.

Da ein Verletzter nur auf äußerst schonender Weise aus dem Bus gerettet werden sollte, wurde ein Fensterholm entfernt und die Trage mit Hilfe der Drehleiter der FF Kötzting aus dem Omnibus gehoben.

Neben den zahlreichen Fahrzeugen des BRK war auch der Rettungshubschrauber Christoph 15 zur "Einsatzstelle" geflogen um ebenfalls den Abtransport schwer verletzter Businsassen zu unterstützen.

Nach etwa einer Stunde waren alle Bus-Passagiere aus dem Unfallfahrzeug befreit und befanden sich - entsprechend der Schwere ihrer Verletzungen - in einem der vier Behandlungs- und Versorgungsräumen.  Von hier wurde dann der weitere Abtransport in die verschiedenen Kliniken organisiert.

Alle Führungskräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst, wie auch die zahlreichen Zuschauer zeigten sich sehr zufrieden und beeindruckt vom reibungslosen Ablauf dieser Großübung. Es zeigte sich, dass eine disziplinierte und geordnete Arbeit schnell und zuverlässig zu einem sehr guten Ergebnis führt.
 

(Bericht und Bilder von Fabian Fischer, Webmaster Webseite der Inspektion Kötzting)